Nicht nur William & Kate heiraten: Tipps zur Hochzeitsfotografie
26.04.2011
Die Hochzeit von Prinz William und seiner Kate wird nicht nur das größte gesellschaftliche Ereignis des Jahres, sondern auch eine gigantische Fotosession.
Unter dem Motto “Fotografieren ist fast so schön wie HEIRATEN!” hat Autor und Fotograf Michael Hennemann Tipps zur Hochzeitsfotografie zusammengestellt:
Hochzeiten fotografieren
Hochzeiten, Geburtstage und Jubiläen – es gibt viel zu fotografieren im Freundes- und Familienkreis, und wenn Sie als engagierter Hobbyfotograf über eine DSLR und ein oder zwei Wechselobjektive verfügen, wird es mit ziemlicher Sicherheit nicht lange dauern, bis Freunde oder Verwandte Sie mit der Frage konfrontieren: „Du fotografierst doch so schön, hast du nicht Lust, unsere Hochzeitsfotos zu machen?“
Auch wenn Sie sich von der Bitte geschmeichelt fühlen, überlegen Sie genau, ob Sie sich dieser Aufgabe wirklich stellen oder nicht doch lieber selbst feiern möchten. Eine Hochzeit ist ein einmaliges Ereignis, und Sie bürden sich eine hohe Verantwortung auf, denn alle Fotos müssen beim ersten Mal sitzen, eine zweite Chance gibt es nicht. Seien Sie sich im Klaren darüber, dass die fröhliche Hochzeitsfeier für Sie zum Arbeitstermin wird. Die Party ist gelaufen, denn als Hochzeitsfotograf sind Sie kein Gast, sondern ständig dem Stress ausgesetzt, kein entscheidendes Foto verpassen zu dürfen.
Also gut, Sie lassen sich ja doch nicht von dem Gedanken abbringen, und in der Regel sind Proteste ohnehin zwecklos, da Einwände mit einem lapidaren „Das schaffst du schon“ beiseitegewischt werden. Aber werfen Sie mir hinterher nicht vor, ich hätte Sie nicht gewarnt. Damit alles optimal läuft und Sie das feierliche Ereignis in tollen Fotos festhalten und Ihnen anschließend Ehre und Lob aller Beteiligten gebührt, gibt es aber einiges zu beachten. Nachfolgend finden Sie Tipps, Tricks und Kniffe, wie eine gute Hochzeitsreportage gelingt. Die Hinweise gelten so oder so ähnlich aber auch für alle anderen größeren Familienfeiern wie Konfirmation/Kommunion oder runde Geburtstage.
Tipp: Ohne Planung geht es nicht! Versuchen Sie, schon vorab so viele Einzelheiten wie möglich zu klären. Erstellen Sie eine Liste der wichtigsten Fotos und halten Sie schon im Vorfeld Ausschau nach guten Standpunkten an den unterschiedlichen Locations.

Beginnen Sie mit dem Fotografieren schon lange vor der eigentlichen Feier. Aufnahmedaten: Nikon D70, 60 mm, f/3.3, 1/90 s, ISO 200.
Als Erstes stellt sich die Frage nach der optimalen Ausrüstung. Erste Wahl für die zahlreichen Motive mit den unterschiedlichsten Anforderungen während einer Hochzeit ist die DSLR. Sie benötigen außerdem ein Zoomobjektiv (je lichtstärker, desto besser), im Idealfall mit einer Lichtstärke von 2,8 und einem Brennweitenbereich von etwa 18 bis 70 mm, damit Sie sowohl für Gruppenaufnahmen als auch für Einzelporträts und die Fotos in der Kirche ohne Blitz gewappnet sind. Als gute Ergänzung zum Zoomobjektiv empfiehlt sich außerdem eine lichtstarke Festbrennweite, z. B. ein kostengünstiges 1,8/50-mm-Objektiv. Für das Gruppenfoto einer größeren Hochzeitsgesellschaft sind Stativ und Fernbedienung sehr hilfreich. Sie können dann die Kamera fest auf dem Stativ montieren und brauchen bei der Aufnahme nicht durch den Sucher zu gucken, sondern haben Blick und Hände frei, um die Gruppe zu dirigieren.
Weiterhin benötigen Sie einen leistungsfähigen Blitz und sollten, falls vorhanden, ein zweites Kameragehäuse oder eine gute kompakte Digitalkamera für den Notfall einpacken. Schnell kommen bei einem Dauereinsatz auf einer Hochzeitsfeier mehrere Hundert Fotos zusammen. Denken Sie daher an ausreichend Ersatzbatterien und/oder -akkus und genügend Speicherkarten in Verbindung mit einem mobilen Bildspeicher. Auch wenn die Versuchung groß ist – kaufen Sie nicht speziell für Ihren „Auftrag“ einen neuen Blitz oder ein anderes Gerät, von dem Sie denken, dass Sie es unbedingt benötigen, und mit dem Sie dann nicht richtig umgehen können.
Die Grundausstattung des Hochzeitsfotografen
- DSLR mit 18–70-mm-Zoomobjektiv, als Ergänzung eine lichtstarke Festbrennweite
- Blitz
- Ersatzakkus und Speicherkarten
- mobiler Bildspeicher
- zweites Gehäuse oder Kompaktkamera für Notfälle

Wenn in der Kirche das Blitzen nicht erlaubt ist, müssen Sie die ISO-Einstellung der Kamera heraufsetzen.
Aufnahmedaten: Nikon D70, 48 mm, f/2.8, 1/90 s, ISO 1000.
Die Arbeit des Hochzeitsfotografen beginnt schon lange vor der eigentlichen Feier, denn eine durchdachte Planung legt die solide Grundlage für gelungene Hochzeitsfotos. Überlegen Sie sich vorab unbedingt, welche Fotos Sie im Tagesverlauf vom Kuss nach dem Jawort auf dem Standesamt bis zum Anschneiden der Hochzeitstorte auf keinen Fall verpassen dürfen. Klären Sie mit dem Brautpaar ab, wann und wo das eigentliche Hochzeitsfoto gemacht werden soll, und fragen Sie auch, welche Gruppenfotos gewünscht werden und wann und wo sie gemacht werden sollen. Nichts ist schlimmer, als wenn Sie am Ende des Tages feststellen müssen, dass Sie vergessen haben, die Brauteltern zu fotografieren. Beliebt für Fotos von der gesamten Hochzeitsgesellschaft sind die Stufen des Standesamts oder der Kirche, da sich dort auch größere Gruppen gut arrangieren lassen.
Wenn Sie es einrichten können, empfiehlt sich vorab ein Besuch der einzelnen Örtlichkeiten während des Hochzeitstags vom Standesamt über die Kirche bis hin zu den Räumen, in denen die Hochzeitsfeier stattfinden wird. Halten Sie Ausschau nach guten Standorten und klären Sie bereits im Vorfeld, ob Sie auf dem Standesamt und in der Kirche mit Blitzlicht fotografieren dürfen. Achten Sie bei der Begehung der Räumlichkeiten auch auf scheinbar banale Kleinigkeiten.
Wenn z. B. die Decken in der Kirche zu hoch oder die der Gaststätte mit dunklem Eichenholz getäfelt sind, werden Sie nicht mit indirektem Blitzlicht arbeiten können und benötigen einen Diffusor, um das harte Blitzlicht abzusoften. Die meiste Anerkennung werden Sie als Hochzeitsfotograf einheimsen, wenn Sie die komplette Hochzeit als Fotogeschichte erzählen. Beginnen Sie die Reportage beim Styling der Braut und führen Sie sie über das Jawort und das Anstecken der Ringe fort bis zum Tanz und Anschnitt der Hochzeitstorte am Abend. Technisch nicht ganz einfach sind die Fotos in der Kirche, wenn dort das Fotografieren verboten ist, oder die Decken für das indirekte Blitzen nicht geeignet sind. Um trotz des schwachen Lichts fotografieren zu können, bleibt Ihnen als einziger Ausweg, die ISO-Empfindlichkeit heraufzusetzen. Bei aktuellen DSLRs mit APS-C-Sensoren liefern Einstellungen von ISO 800 in der Regel noch recht brauchbare Ergebnisse, ohne dass das Rauschen einen zu störenden Eindruck hinterlässt. Testen Sie vorher bei Ihrer Kamera, bis zu welcher ISO-Einstellung die Aufnahmen weitestgehend rauschfrei bleiben. Denken Sie nach den Fotos in der Kirche unbedingt daran, die Empfindlichkeit wieder herabzusetzen, um die weiteren Fotos mit der höchstmöglichen Qualität aufzuzeichnen!
Checkliste – Diese Fotos müssen Sie vom Standesamt und/oder der Kirche unbedingt auf der Speicherkarte
haben:
- Ankunft der Braut
- Hereinführen der Braut durch den Brautvater
- Jawort inklusive Kuss
- Anstecken der Ringe
- Auszug aus Standesamt und/oder Kirche
- Gratulationen der Hochzeitsgesellschaft
- Porträts und Gruppenfotos der wichtigsten Personen
Nach der Kirche geht das Fotografieren weiter. Im Eifer des Gefechts nicht vergessen, die Empfindlichkeit wieder auf ISO 100 zurückzustellen! Aufnahmedaten: Nikon D70, 35 mm,
f/8, 1/500 s, ISO 200.
Zu den wichtigen Fotos direkt im Anschluss an Kirche und Standesamt gehören die Gratulationen der Hochzeitsgesellschaft, und der Zeitpunkt für die Porträts der wichtigsten Gäste und der Gruppenfotos ist gekommen. Während sich die frisch vermählten Eheleute und die übrigen Gäste nun auf die Party freuen, beginnt für den Fotografen die Arbeit erst so richtig. Ziehen Sie von Tisch zu Tisch, um kein Porträt eines Gastes zu verpassen, und fotografieren Sie auch Redner, Hochzeitsspiele und das Anschneiden der Hochzeitstorte.
Fotografieren Sie auch die Details, wie z. B. Brautstrauß, Tischdekorationen oder die Speisekarte. Erst so wird die Fotoreportage von der Hochzeit komplett.
Große Begeisterung ernten Sie mit Sicherheit auch, wenn Sie die Hochzeitsgesellschaft schon an Ort und Stelle mit einem ersten Abzug überraschen. Mit einem mobilen Thermosublimationsdrucker funktioniert das sogar, ohne
ein extra Notebook. Sie brauchen nur die Speicherkarte einzustecken und die entsprechenden Fotos auf dem Display des Druckers auszuwählen, und schon halten die Gäste einen Abzug in der Hand.
Tipp: Wenn Sie die Empfindlichkeit noch weiter als ISO 800 heraufsetzen müssen, können Sie das störende Bildrauschen in der Nachbearbeitung am Computer durch Tools wie z. B. Noise Ninja (http://www.picturecode.com) oder Neat Image (http://www.neatimage.com/) reduzieren.
Diese Tipps sind ein Auszug aus dem Buch
Digitale Fotografie – Der Meisterkurs
von Michael Hennemann
ISBN: 978-3-8272-4594-6
384 Seiten, komplett 4-farbig, Bilderdruck, € 29,95 [D]
Auch die Tischdeko ist ein Motiv, das in keiner Hochzeitsreportage fehlen darf. Aufnahmedaten: Nikon D70, 32 mm, f/2.8, 1/180 s, ISO 200.
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