Karsten Kettermann hat das Buch “Mit Spaß besser fotografieren” bei uns geschrieben; Anlass, Karsten einige persönliche Fragen zu stellen:-)

Karsten Kettermanns Website: http://www.fotokurs.org/
Über Karsten Kettermann: Ich bin 43 Jahre jung, verheiratet mit der besten Frau von allen und Vater eines Sohnes. Wohnhaft und mit Studio und meiner Fotoschule in Hamm/Westf., am östlichen Rande des Ruhrgebiets.
Nach 10 Jahren öffentlichem Dienst habe ich, unter heftigem Kopfschütteln von Eltern und Kollegen, den Dienst quittiert, um meiner Berufung zu folgen.
Man brennt halt für die Fotografie, oder nicht?:-) Bereits im Studium habe ich Bücher über Digitalfotografie und Bildbearbeitung geschrieben (das war besser, als nachts Briefe bei der Post zu sortieren) und war als Fotodesigner selbständig.

- Karsten Kettermann, Fotograf und Autor von “Mit Spaß fotografieren”
Heute unterrichte ich in meiner Fotoschule Fotoamateure in verschiedenen fotografischen Themen. Daneben bin ich für Fotografenkollegen und Menschen aus der Grafik als Dozent für Bildbearbeitung und Fotografie tätig. Und Fotografieren steht natürlich auch immer auf dem Programm: Für Agenturen, Kunden aus dem Mittelstand und auch für Privatpersonen bin ich fotografisch tätig – meist in der Porträt-, People- und Industriefotografie.
MuT: Karsten, Sie haben das Buch “Mit Spaß besser fotografieren” gerade beim Markt+Technik-Verlag veröffentlicht; wann fing Ihr Spaß mit bzw. an
der Fotografie an?
KK: Eigentlich habe ich dem Fußball alles zu verdanken, auch und gerade weil ich damit nichts am Hut habe. Ich war 15 Jahre alt und auf einem Wochenend-Workshop, abends sollte die deutsche Nationalmannschaft bei einer Fußball-Europameisterschaft spielen. 39 Teilnehmer dieses Workshops fieberten dem entgegen, ich aber streunte an dem Abend durch die Schulungsstätte, auf der Suche nach etwas, was mir die Langeweile vertreibt. Und da landete ich in der Bibliothek und ein Fotobuch in meinen Händen. Das war’s! Tage später habe ich mit einem SW-Film und einer Dacora Super Dignette meines Vaters meine ersten Fotos gemacht – Kühe im Nebel. Ich kam mir wie ein großer Künstler vor!
MuT: Würden Sie Fotografie mehr als Ihr Vergnügen oder Ihre Arbeit bezeichnen?
KK: Auch Arbeit kann, selbst wenn sie anstrengend ist, viel Vergnügen bereiten. Tatsächlich empfinde ich die Zeit, in der ich fotografiere, nicht als Arbeit. Ich liebe es einfach, mit anderen Menschen gemeinsam ein besonderes Foto zu erschaffen. Sei es bei den Vorbereitungsarbeiten oder auch später am Set. Und da diese Menschen um mich herum und vor meiner Kamera meist ganz wunderbare Zeitgenossen sind, fühle ich mich bei der Arbeit oft eher wie auf einem Treffen guter Freunde. Das ist sooo anders als damals im Öffentlichen Dienst!
Ich will aber nicht verheimlichen, dass es auch unangenehme Dinge und Zeitgenossen in meiner Arbeit gibt – am Ende bleibt es halt doch auch ein Geschäft. Aber so lange ich authentisch bleibe und meine Problemlösekompetenz den Kunden fühlen lässt, dass jedes Problem lösbar ist, habe ich keine wirklichen Probleme.
MuT: Karsten, haben Sie ein Lieblingsgenre?
KK: Ja, ganz eindeutig den Menschen. Menschen sind so vielfältig, jeder ist anders gestrickt, dass es einfach nie langweilig wird, immer wieder diese Einzigartigkeit fotografisch festzuhalten. Deshalb ist für mich nicht nur das fertige Foto wichtig, sondern auch der “Entstehensprozess”, die Zusammenarbeit mit dem Modell. Besonders der Moment, in dem Menschen ihre Masken fallen lassen und sich für mich öffnen, um mir einen kleinen Einblick in ihre Seele zu gewähren, ist immer besonders spannend.
MuT: Und was macht Ihnen beim Fotografieren besonders Spaß?
KK: Die direkte Arbeit mit dem Modell. Posen perfektionieren und nach meinem Geschmack, aber auch nach Aufgabe anzupassen. Aus dem Gesicht etwas herausholen, wie vielleicht nur ich es kann. Auf meine ganz eigene Art und Weise mit Menschen umzugehen, so dass ich hinter die Oberfläche blicken darf. Aber jetzt wird es etwas metaphysisch … Obwohl es ja auch so ist: Fotografie und der Prozess des Fotografierens hat immer auch einen Zauber, mit dem man richtig umgehen muss.
MuT: Nennen sie uns fünf Tipps, die Ihrer Meinung nach ein Top-Foto ausmachen?
KK: Nur fünf? Also…
Technisch: Der perfekte Standort, der richtige Ausschnitt, der gewünschte Grad an Verwischung oder Schärfe durch die richtige Belichtungszeit und eine Schärfentiefe, die das Hauptmotiv perfekt herausstellt.
Gestalterisch: Licht setzen (nicht nur hell machen!), die Kameratechnik beherrschen (s. Technisch), das richtige Motiv auswählen, in der Bildbearbeitung alles tun, um das Motiv möglichst optimal erscheinen zu lassen.
Persönlich: Gute Fotos sind eine Überwindungsprämie. Überwinden Sie sich (zu dem, was für ein perfektes Foto nötig ist), dann machen Sie gute Fotos.
Literarisch: >Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.< (Zitat Erich Kästner)
Digital: Fotografen haben heute die idealen Voraussetzungen, um sich in kurzer Zeit zu perfektionieren. Mit einem Blick auf das Kameradisplay steht schnell fest, ob das Foto gut ist, oder nicht. Die Schulung des eigenen Geschmacks ist dafür natürlich die Grundlage, die jeder Fotograf nicht ausgiebig genug trainieren sollte. Klar, wir wollen alle ganz nach oben, aber der Weg dahin führt immer durch das Erdgeschoss. Deshalb ist auch Bildbearbeitung nur eine Krücke zu passablen Fotos, solange der persönliche Geschmack nicht ausreichend gute Fotos liefert.
Handfest: In meinen Fotokursen vermittle ich alle o.g. Fertigkeiten, die Fotografen erfolgreich werden lassen. Deshalb mein Tipp: Investieren Sie das, was früher die Filme und Abzüge gekostet haben, in Ihre fotografische Entwicklung. Schon nach kurzer Zeit wird es steil bergauf gehen – versprochen!
MuT: Und inwieweit ist Ihrer Meinung nach die Kameraausrüstung für das Fotoergebnis ausschlaggebend?
KK: Gar nicht! Sorry, aber so ist es. Das Auge des Fotografen ist entscheidend und die Vision, die er im Kopf hat, bevor er auf den Auslöser drückt. Ich habe schon gute Fotografen mit den einfachsten Kameras außergewöhnliche Fotos machen sehen, während technikverliebte “Knöpfchenbediener” beim gleichen Motiv kläglich versagten. Deshalb empfehle ich immer, nicht in die teuerste Kamera zu investieren, sondern in die persönliche Entwicklung.
MuT: Kann Ihrer Erfahrung nach jeder Mensch FOTOGRAFIEREN erlernen, oder benötigt man besondere Talente?
KK: Knipsen kann jeder: Kamera an und draufgehalten. Beim Fotografieren hingegen sollte ja am Ende ein gutes Foto entstehen. Natürlich kann das jeder lernen, die Voraussetzung ist aber, dass man bereit ist an sich zu arbeiten.
Als ich in meinem Fotodesign-Studium feststellte, dass man mir weniger Fototechnik und Gestaltung beibringen wollte, war das zuerst recht seltsam. Vielmehr sollte ich darauf achten, was mir wichtig war, was nur mir als Motiv auffiel. So konnte ich mich aber persönlich weiter entwickeln und meine persönliche Fotografie finden.
Und das ist es doch, was man beim Fotografieren möchte: Der Welt seine Sicht der Dinge zeigen, oder?
KK: Karsten, wir bedanken uns für das Gespräch!