Praxisworkshop Aktfotografie von Martin Schwabe
geschrieben am 5. Oktober 2009 von Pia Kleine Wieskamp
In seinem Buch “Canon EOS 500D“ zeigt Ihnen Profifotograf Martin Schwabe nicht nur, was alles in Ihrer EOS 500D
steckt und wie Sie die Kamera sicher und zielführend bedienen, er stellt reich bebilderte Extra-Praxisworkshops zu den Themen Porträt- und Aktfotografie für Sie zusammen: „Ich möchte Ihnen weniger eine bunte Knöpfchenkunde bieten, als vielmehr helfen zu verstehen, was in Ihrer Kamera passiert. Deshalb habe ich viele Beispiele in dem Buch eingearbeitet, die nicht nur die Funktion an sich erklären, sondern auch zeigen, wann und wofür Sie die Funktion brauchen oder eben auch nicht brauchen.“
Lesen Sie einen Auszug aus dem Workshop zur Aktfotografie:
Der Workshop zur Aktfotografie wird sich im Schwerpunkt mit der Fotografie im Studio und in geschlossenen Räumen beschäftigen. Umgekehrt gilt also auch: Alle Tipps und Hinweise zur Aktfotografie im Studio lassen sich fast 1:1 auch für die Fotografie von bekleideten Menschen im Studio umsetzen.
Einige grundlegende Gedanken:

Foto: Martin Schwabe : Wichtiges Kriterium für gute Fotos ist auch, dass Sie das Motiv variieren und auch mal ins Detail gehen, es muss nicht immer der ganze Mensch sein, den Sie in der Aktfotografie abbilden, drei paar Füße in schwarzen High Heels können durchaus auch ein sehr interessantes Motiv abgeben. Versuchen Sie, eine eigene Bildsprache zu entwickeln, die Sie von anderen Fotografen unterscheidet, so werden Ihre Fotos mehr Aufmerksamkeit finden und auch das Interesse neuer Modelle hervorrufen, mit Ihnen zusammenzuarbeiten. 105 mm | 1/125 sek | f5,6 | manuelle Einstellungen | Studioblitz | Oktobox hinter dem Fotografen, kleine Softbox von links

Foto: Martin Schwabe Seien Sie kreativ, keine Idee ist so verrückt, dass Sie nicht den Versuch starten sollten, diese Idee in die Tat umzusetzen. Je außergewöhnlicher Ihre Ideen, umso eher werden Sie neue Modelle berzeugen können. Bedenken Sie: Viele Modelle haben für Ihre Setcard schon viele klassische Aktaufnahmen, doch oft fehlen die Fotos, die sie von den anderen Modellen abheben. 18 mm | 1/125 sek | f6,7| ISO 100 | manuelle Einstellungen | Studioblitz – Oktobox von links vorn
Suchen Sie sich am besten einen Workshop mit maximal sechs bis acht Teilnehmern und der Zusicherung, dass Sie auch ein Zeitfenster bekommen, um mit dem Modell unter Anleitung alleine zu arbeiten, ohne dass gleichzeitig drei andere Fotografen mit gezückter Kamera vor ihre Linse springen, weil sie genau „diese“ Pose inspiriert hat.
Solche Workshops haben zwei Vorteile für Sie:
Eine weitere Möglichkeit, erste Schritte in der Aktfotografie zu machen, sind „Modelsharings“. Dazu ist es nötig, sich mit ein oder zwei anderen Fotografen zusammenzutun und sich die Kosten für eine Buchung und die eventuelle Studiomiete zu teilen. Idealerweise sollte einer der Beteiligten schon Erfahrung in dem geplanten Genre haben.
Der Vorteil eines Modelsharings ist, dass Sie die Zeit des Modells zusammen effektiver ausnutzen. Wenn Sie alleine mit einem Modell arbeiten, wird es immer Zeiten geben, wo das Modell nichts zu tun hat, weil Sie den Set umbauen, Daten auf den PC überspielen oder Bildkontrolle machen. Diese Zeit kann dann von dem zweiten Fotografen genutzt werden. Zusätzlich haben Sie noch ein zweites Paar Augen dabei, dass Ihnen hilft, auf Details zu achten und Fehler zu vermeiden. Ich arbeite gern mit einem zweiten Fotografen zusammen.
Sie sehen schon: Fotografie von Menschen ist ein Hobby, in dem Sie kontaktfreudig sein sollten. Verlieren Sie auf keinen Fall zu schnell den Mut. Meine ersten Aktaufnahmen habe ich erst viele Jahre, nachdem ich mit der ernsthaften Fotografie begonnen habe, gemacht. Ich bevorzuge es, mit Modellen zusammenzuarbeiten, die ich schon länger kenne, der Vorteil ist einfach, dass man sich gegenseitig kennt und weiß, was man voneinander erwarten kann und darf. Im Laufe der Zeit ergibt sich das Thema Aktfotografie dann manchmal auch einfach von selbst.
Der Umgang mit den Modellen
Auch wenn Sie jedem Modell – egal ob Porträt oder Aktfotografie – mit Höflichkeit und Respekt begegnen sollten, gibt es beim Umgang mit Aktmodellen einige Feinheiten zu beachten, die Ihnen und dem Modell das Leben einfacher machen.
Reden Sie mit Ihrem Modell, ständig und immer während Sie fotografieren, damit das Modell auch weiß, worauf Sie hinauswollen. Allerdings sollten Ihre Anweisungen auch Hand und Fuß haben und nicht aus Worthülsen bestehen. Ich habe auf der letzten photokina einen „Profi“ bei einer Vorführung erlebt, der die ganze Zeit nur: „süß, toll, ja das ist klasse, so zeig Dich, genau“ und ähnlichen Unsinn von sich gab, während das Modell dort nur saß und sich kaum bewegte. So etwas ist einfach nur albern und hilft Ihrem Modell nicht, und Ihre Fotos werden davon nicht besser. Wichtige Anweisungen zielen darauf ab, dass das Modell zum richtigen Zeitpunkt die Körperspannung aufbaut, Haare aus dem Gesicht nimmt, die Position so verändert, dass ungünstige Falten und Röllchen nicht mehr zu sehen sind.
Übrigens sind Sie als Fotograf für die Fehler im Bild verantwortlich und nicht das Modell, Sie sind derjenige, der durch die Kamera schaut und nicht das Modell. Verlangen Sie nichts Unmögliches von Ihrem Modell!
Körperhaltung
Körperspannung ist in der Aktfotografie ein wichtiges Thema, da Fotos immer eine Momentaufnahme sind und viel „ehrlicher“ als die bewegten Bilder, die Ihnen das Auge zeigt, wenn Sie einen Menschen betrachten, und nicht dessen Foto.
Körperspannung sorgt dafür, dass der Körper Konturen bekommt, und gleicht häufig kleine Makel aus. Da es für das Modell sehr anstrengend ist, den Körper ständig unter Spannung zu halten, ist es wichtig, dass Sie dem Modell mitteilen, wann Sie die Körperspannung brauchen.
Einige wenige Kenntnisse der Anatomie helfen Ihnen, die richtigen Posen zu finden. Hat das Modell eine etwas größere Brust, dann sind Posen mit nach oben gereckten Armen formgebender als Posen mit gebeugtem Oberkörper.

Foto: Martin Schwabe – Die Haltung ist für das Modell sehr entspannend, was man dem Foto sicher ansieht. Besser wäre es aber gewesen, wenn das Modell den Kopf nicht tatsächlich in die Hand gestützt hätte, zumindest nicht so nah an der Wange, da diese durch das Abstützen nach oben verschoben wird. Es ist übrigens nicht die Aufgabe des Modells, so etwas zu sehen, sondern die Aufgabe des Fotografen, denn Sie sehen das Modell durch den Sucher, das Modell sieht sich selbst nicht. 50 mm | 1/160 sek | f1,4 | Graufilter N2 | Studioblitz Softbox von links, Aufheller von rechts

Foto: Martin Schwabe - Nutzen Sie für liegende Positionen den Raum, den Ihnen das Format zur Verfügung stellt. Die weiße Hohlkehle des Hintergrunds hat keinerlei Bezugspunkte für die Ausrichtung des Horizontes. Wenn Sie das Modell in die Diagonale legen, haben Sie eine interessante neue Gestaltungsform, mit der Sie viel experimentieren können. Bei liegenden Posen des Modells wird es häufig nötig sein, dass Sie sich auch „zu Boden“ begeben, um eine ansprechende Bildkomposition zu erreichen. Sie sollten davor keine Scheu haben. 50 mm | 1/200 sek | f1,4 | ISO 200 | Softbox links hinter dem Modell | Softbox rechts – abgeregelt – zur Aufhellung der Vorderseite
Oktober 6th, 2009 at 15:43
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Markt+Technik Verlag erwähnt. Markt+Technik Verlag sagte: Kamerahandbuch Canon EOS 500D mit Workshops zur Portät- http://blog.mut.de/archives/2204 & Aktfotografie http://blog.mut.de/archives/2222 [...]