Herr Born, das Thema Sicherheit bei Windows Vista in aller Munde? Wie sicher ist es wirklich?
Günter Born: Nun, jenseits dem Marketing-Geklingel lässt sich schon feststellen, dass Microsoft an vielen Ecken Verbesserungen im Hinblick auf die Sicherheit eingeführt hat. So ermöglicht die Benutzerkontensteuerung erstmalig ein komfortables Arbeiten unter Standardbenutzerkonten, und trotzdem können Administratoren mit wenigen Mausklicks Aufgaben, die erweiterte Berechtigungen erfordern, ausführen. Auch der abgesicherte Modus des Internet Explorers oder die Zwei-Wege Windows-Firewall, die auch ausgehende Verbindungen kontrollieren kann, hilft ggf. die Sicherheit zu verbessern.
Allerdings lässt sich auch festhalten: Das größte Risiko für die Sicherheit des PCs sitzt vor dem Bildschirm. Ein Anwender kann mit wenigen Mausklicks alle Sicherheitsbarrieren niederreißen. Und die vielgefragten “heißen Tipps� zum Abschalten der Benutzerkontensteuerung in den betreffenden Internetforen sprechen Bände.
In meinen Magnum-Titeln Windows Vista Home Premium Tricks, Windows Vista Business Tricks und Windows Vista Ultimate Tricks gehe ich in mehreren Kapiteln auf das Thema Sicherheit ein und zeige den Anwendern, wie sich die in Vista integrierten Sicherheitsfunktionen auf intelligente Weise nutzen lassen.
Unter dem Strich: Auch ich habe mich in der Beta-Testphase über die ständigen Nachfragen der Benutzerkontensteuerung aufgeregt. Bei der Final von Windows Vista dauerte es aber dann noch genau einen Tag, bis ich begriffen habe, was die Entwickler vorhatten – und heute muss ich feststellen:
- Windows Vista ist das erste Windows-Betriebssystem, wo ich konsequent unter Standardbenutzerkonten arbeite und trotzdem 99% aller Administratoren-Aufgaben unter diesen Konten ausführen kann.
- Ich musste Vista bereits intensiv nutzen, als noch keine Virenscanner verfügbar waren. Die in Vista eingebauten Sicherheitsmechanismen haben in dieser Zeit zuverlässig das unbemerkte Eindringen von Schadprogrammen verhindert.
Da ich aus bestimmten Gründen auch weiterhin noch einige Jahre sowohl mit Windows XP als auch mit Windows Vista arbeiten muss, vermisse ich unter XP zwischenzeitlich viele Vista-Funktionen (unter anderem die Benutzerkontensteuerung) schmerzlich – etwas, was ich vor einem Jahr niemals geglaubt hätte. Da ich auch über Erfahrung mit Linux (sowie einigen anderen, heute kaum noch gebräuchlichen Betriebssystemen) habe, möchte ich an dieser Stelle meinen “virtuellen Hutâ€? vor den Entwicklern ziehen. Da ist den Mannen rund um Bill Gates und Steve Ballmer schon ein großer Schritt gelungen.
Natürlich sollte dies niemand dazu verleiten, auf Virenscanner zu verzichten, und auch die Sicherheitseinstellungen sollten intelligent eingestellt und clever genutzt werden. Bei Virenscannern gilt es allerdings auf die richtigen Produkte zu setzen, da sich einige Hersteller (speziell im Massenmarkt) mit Vista momentan noch etwas schwer tun und bisher Lösungen anbieten, die erhebliche Probleme verursachen.
Ich selbst setze seit Anfang 2007 das Produkt AVAST! 4 Home bei Testsystemen ein, und auch die deutsche Firma Avira stellt nun eine Vista-taugliche Antivir-Version in verschiedenen Varianten bereit. An dieser Stelle führt es zu weit, auf die Details einzugehen. Interessierte Vista-Nutzer finden in meinen bei Markt+Technik publizierten Vista-Titeln aus der Magnum-Reihe entsprechende Hinweise auf Virenscanner, Sicherheitsfunktionen oder verbesserte Sicherheitseinstellungen.
Gibt es aus Ihrer Sicht Kritikpunkte an Windows Vista, und was sollte Microsoft verbessern?
Günter Born: Ich nutze Windows Vista zwischenzeitlich bereits über ein Jahr recht intensiv und habe das Betriebssystem als recht stabil und (nach einer Einarbeitungszeit) als leicht zu bedienen kennen gelernt. Der Kern des Betriebssystems ist sehr solide und ich gehe davon aus, dass Windows Vista ein Erfolg wird. Probleme gibt es vor allem an den Stellen, wo die Hersteller von Hard- und Software ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben und den Kunden quasi “Bananen-Ware” andrehen. Da gibt es den Fall eines großen Herstellers von Computern, Brennern, Druckern-, Digitalkameras und Scannern, der offenbar die letzten Jahre mehr mit sich selbst und der Reorganisation seines Managements als mit der Produktpflege befasst war. In meinem Büro steht ein noch relativ neuer Scanner dieses Herstellers, der unter Windows Vista praktisch nicht nutzbar ist. Der Hersteller teilte mir mit, dass dieses Gerätemodell zu alt sei, um noch durch aktualisierte Treiber unterstützt zu werden. Ein Geschmäckle bekommt diese Mitteilung aber, da ich bereits in der frühen Beta-Phase von Windows Vista mit den Microsoft-Entwicklern über Probleme mit den für Scanner erforderlichen WIA-Treibern korrespondiert habe. Microsofts Entwickler teilten mir mit, dass der besagte Hersteller bereits in der Beta-Testphase von Windows 2003 Server über ein entsprechendes Problem in seinen Treibern informiert worden sei (2002/2003 war das Scannermodell gerade mal ein Jahr am Markt). Ähnliches kann man für andere Gerätehersteller und auch für Anwendungssoftware konstatieren.
Windows Vista erschien ja nicht schlagartig am Firmament, sondern Microsoft hat lange für dessen Entwicklung gebraucht. Interessierte Hersteller oder Entwickler konnten sich bereits seit mehreren Jahren kostenlos über White-Papers hinsichtlich der technischen Änderungen informieren. Zudem stellte Microsoft einem extrem breiten Kreis an Beta-Testern funktionsfähige Kopien von Vista zur Verfügung. Von daher prügeln viele Endkunden, bildlich gesprochen “den falschen Hund�, wenn Sie auf die vermeintliche Unfähigkeit von Microsoft schimpfen und von Anwendungen, Tools oder Treibern verursachte Fehler dem Betriebssystemhersteller zuschreiben.
Günter Born: Ja, es gibt einige Fehler in Windows Vista – die ich teilweise auch an den Hersteller kommuniziert habe. Viele der momentan in den technischen Foren berichteten Fehler werden aber durch Fremdsoftware, Treiber oder die sprichwörtliche Dummheit des vor dem Rechner sitzenden Anwenders verursacht. Wer alle Sicherheitsmechanismen abschaltet, dann noch einige Uralt-Programme zur Festplattenpartitionierung auf das System würgt und zum Abschluss noch eines der vielgepriesenen “Optimierungsutilitiesâ€? nutzt, darf sich über ein ramponiertes Windows Vista nicht wundern.
Ich hatte beim Schreiben meiner ersten Windows Vista-Titel ein wunderbar schnelles und stabiles System. Der Ärger begann, als ich zur Vorbereitung meiner “Windows Vista – Tricksâ€?-Titel so diverse (teilweise im Internet als “heiße Tippsâ€? gehandelte) Sachen und Programme austestete. Plötzlich gingen viele Windows-Funktionen nicht mehr und es tauchten Fehler an Stellen auf, die vorher nie beobachtet wurden.
Klar, das gehört zu meinem Job als Autor, der sich mit solchen Sachen beschäftigen und intensiver testen muss.
Durch intensive Ursache-Wirkungs-Analyse konnte ich in der Regel auch die Gründe für dieses Verhalten herausfinden. In 99 von 100 Fällen lag es nicht an Windows Vista sondern an Treibern oder Software aus Drittquellen. Und für die wenigen, wirklich lästigen, Fehler in Windows Vista ließen sich meist Workaround Lösungen finden, die die Wirkung der betreffenden Fehler begrenzen. Dieses Know-how ist zwischenzeitlich in meinen Markt+Technik-Titeln “Windows Vista Home Premium Tricks�, “Windows Vista Business Tricks� und “Windows Vista Ultimate Tricks� der Reihe magnum eingeflossen. Wer die größten Klippen umgehen und sich Ärger ersparen möchte, sollte einen Blick in diese Bücher werfen. Seit ich mein System neu aufgesetzt habe und die in meinen eigenen Büchern gegebenen Empfehlungen befolge, habe ich wieder ein wunderbar stabiles und schnelles System (obwohl einer meiner Rechner nur mit 1,9 GHz und einer 20 GByte-Vista-Partition und einer am unteren Ende der Leistungsskala angesiedelten Grafikkarte arbeitet).