Heico Neumeyer: Happy Birthday Photoshop
Der beste Freund der ’Pixelschubser’ feiert Geburtstag: Am 19. Februar feiert Adobes Photoshop seinen 20ten! Wir befragten Photoshop-Experten Heico Neumeyer zu seiner persönlichen Photoshop-Historie:
M+T: Herr Neumeyer, wissen Sie noch, wann Sie Ihren ersten Kontakt mit Photoshop hatten?
Neumeyer: Also, ich war Windows-Anwender. Während MACianer schon mit Photoshop 2.0 für Macintosh arbeiteten, habe ich Picture Publisher 3 und Aldus Photoshop 1.1a genutzt und für die Zeitschrift Foto&Labor rezensiert. Dann kam Photoshop 2.5 erstmals auch für Windows – da war ich natürlich dabei. Ich habe auch gleich mein erstes Buch darüber geschrieben – beträchtlich dünner als die heutigen Kompendien, aber Photoshop selbst hatte ja auch bei weitem nicht den Umfang der heutigen Versionen; es gab weder Ebenentechnik noch Bildverwaltung, kein mehrfaches Widerrufen und keine Befehleaufzeichnung.
M+T: Wann und wie haben Sie von Photoshop erfahren?
Neumeyer: Als Photoshop 2.5 für Windows erschien, war ich Redakteur bei einer Fotozeitschrift. Klar, dass ich mit zu den ersten Personen gehörte, die die erste Windows-Version getestet haben, Photoshop 2.5.
M+T: Warum Photoshop – gab es keine Alternativen?
Neumeyer: Ich teste alle gängigen Bildprogramme, kenne also auch PhotoLine, PhotoImpact, Paint Shop Pro, Photoshop Elements, PhotoPaint und viele andere, die mittlerweile längst verschwunden sind. Doch am liebsten nehme ich Photoshop. Die Oberfläche ist professionell gimmickfrei und lässt sich dank Tastenkürzeln und guter Befehlsaufzeichnung rasend schnell bedienen. Es gibt verblüffende Hochleistungsfunktionen wie “Tiefen/Lichter” und selbst die ganz normale Gradationskurve lässt sich geschmeidiger nutzen als bei der Konkurrenz.
M+T: Photoshop ist nun nach 20 Jahre jung. Haben Sie Erlebnisse mit so genannten Kinderkrankheiten gemacht?
Neumeyer: Manchmal ist Photoshop etwas zögerlich mit Neuerungen. So kamen etwa Ebenentechnik, mehrfaches Widerrufen, Befehlsaufzeichnung und abschaltbare Effektfilter später als bei manchen Konkurrenten wie etwa PhotoPaint oder Picture Publisher. Die Oberfläche war lange ein Verhau, der sich kaum aufräumen ließ. Doch wenn Adobe erst einmal mit neuen Funktionen herausrückt, dann sind sie extrem durchdacht, leicht zu bedienen und sehr stabil. Kompliment.
M+T: Was macht Sie eher unglücklich bei Photoshop?
Neumeyer: Schade, dass Photoshop mit der Zeit immer weniger homogen wirkt. Neue Talente werden einfach außen drangeklebt statt richtig integriert, verpackt in monströse Dialogfelder. Das gilt etwa für Extrahieren, Verflüssigen, Filtergalerie oder Objektivkorrektur. Verwirrend auch das Doppelspiel der Funktionen bei Photoshop einerseits und dem immer weiter ausufernden Raw-Dialog – einem Programm im Programm – andererseits.
So gibt es im Raw-Dialog einen Scharfzeichner mit vier Reglern, in Photoshop weitere Scharfzeichner mit drei Reglern und Zusatzoptionen; solche verwirrenden Angebote sollte man übersichtlicher organisieren. In meinem Photoshop-Kompendium nenne ich noch mehr Beispiele.
Ich bin auch nicht immer glücklich mit dem Photoshop-Deutsch. Das gilt für Ausdrücke wie »ebenenbasierte ImageMap-Bereiche«, »Bearbeitungsprotokolleinträge«, »Farbstörungsreduktionen« oder das ((Luftholen)) “Bereichsreparaturpinsel-Werkzeug”. Mitunter bekommt man völlig sinnlose Formulierungen, weil die Übersetzer den Zusammenhang nicht durchschauen. So gibt es im Raw-Dialog ein Fülllicht. Was ist das? Richtig wäre “Aufhellblitz” (Englisch “fill flash”). Im Buch nenne ich noch mehr Beispiele.
M+T: Sie haben regelmäßig zur Folge-Version “upgedatet” – warum?
Neumeyer: Photoshop bringt bei jedem Update wichtige Neuerungen. Kennt man einmal die aktuellste Oberfläche, wirkt die ältere Fassung irgendwie altbacken.
Allerdings wird das Programm auch immer ressourcenhungriger. Wer Photoshop nur auf einem kleinen Laptop betreibt, sollte eventuell bei einer genügsamen älteren Fassung bleiben. Für reine Bildkorrektur (ohne Montage oder Bildverwaltung) bietet auch Photoshop 4.0 gute Funktionen, auch die Einsteiger-Ausgabe Photoshop Elements 8 ist ganz passabel.
M+T: Herr Neumeyer, wie sieht Ihrere Meinung nach Photoshop in 10 Jahren aus? Welche Ideen und Wünsche haben Sie für neue Versionen.
Neumeyer: So richtig vollständig und abgerundet wirkt Photoshop nie – ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Was ich noch vermisse:
- Die Befehlsfolge der aktuellen Bearbeitung lässt sich nicht sofort dauerhaft als Aktion abspeichern und an weiteren Dateien abspielen.
- Schön wäre eine Vielfach-Effektvorschau: Ein Tableau, das die Auswirkung von einem Dutzend Filtern auf die aktuell geöffnete Datei zeigt. PhotoImpact oder Paint Shop Pro können das. Besonders verblüffend bei Photoshop: Einige Filter wie Versetzen, Farbraster oder Radialer Weichzeichner bieten nicht mal ein kleines Vorschaufenster.
- Beim Umformen sollte automatisch die Vorgabe Seitenverhältnis erhalten eingeschaltet sein, dann muss man nicht immer Zusatztasten drücken.
- Noch immer fehlt ein Schatteneffekt mit perspektivischer Verzerrung, der tiefstehende Lichtquellen simuliert. Und wo bleibt der weiche Objektrand als abschaltbare Ebeneneigenschaft?
Noch mehr Vermisstmeldungen stehen in meinem Photoshop-Kompendium.
M+T: Zusammengefasst: Was bedeuten Adobe und digitale Bildbearbeitung mit Photoshop für Sie?
Neumeyer: Grenzenlose Kreativität!
M+T: Bitte nennen Sie Ihren aktuell favorisierten Photoshop-Tipp!
Neumeyer: Tastenkürzel nutzen und die Voreinstellungen optimieren – dann geht alles dreimal so schnell (s.a. Heico Neumeyer, “Photoshop CS4 Kompendium”, Verlag Markt+Technik, Kapitel 1, “Das Wichtigste zuerst”).
Adobe Photoshop CS4 – Kompendium
Pixelperfektion von Retusche bis Montage
ISBN 978-3-8272-4450-5, Hardcover, 1056 Seiten, komplett 4-farbig, 1 DVD, Preis: 49,95 Euro
Fazit von media-mania.de: “Das Kompendium Photoshop CS 4 ist unverzichtbare Grundausrüstung für alle, die mit dem Photoshop arbeiten und die nicht nur nach netten Tricks und Effekten suchen, sondern tatsächlich ein umfassendes und praktisches Lehr- und Handbuch suchen, das keine Schaltfläche, keinen Filter, keine Funktion und keine Einstellung außen vor lässt. Ein sehr gelungenes, fundiertes und praxisorientiertes Handbuch, das im Regal keines Grafikers fehlen sollte und das sich an Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen richtet. Der Preis ist Umfang und Leistung auf jeden Fall angemessen.”
Schnuppperkapitel zum Download: http://www.mut.de/media_remote/katalog/bsp/9783827244505bsp.pdf
Schlagwörter: Adobe, Geburtstag, Heico Neumeyer, Kompendium, Photoshop





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